Small Cute Yellow Pointer °Convallaria°s Bücherblog: [Buch] "Das Schneemädchen" von Eowyn Ivey

Mittwoch, 17. Oktober 2012

[Buch] "Das Schneemädchen" von Eowyn Ivey


Über zehn Jahre ist es her, dass Mabel das gemeinsame Kind von ihr und Jack tot geboren hat. Die Reaktionen auf den Verlust und die folgende Kinderlosigkeit nicht mehr ertragend, überredet Mabel Jack, in die Wildnis Alaskas auszuwandern. Zwei Jahre später geht es Mabel noch schlechter als vor ihrem Umzug. Sie und Jack haben sich auseinander gelebt. Er ist müde nach der langen, kraftzehrenden Feldarbeit und abends nicht mehr in der Lage mit Mabel - die den ganzen Tag allein im Haus verbringt - zu sprechen. Als Jack eines Tages engeren Kontakt zu ihren Nachbarn - den Bensons - knüpft, ist Mabel zunächst enttäuscht und misstrauisch, muss dann aber zugeben, dass die so ganz andere Familie erfrischend chaotisch ist. Als der erste Schnee in diesem Jahr fällt, fühlt sich Mabel in ihre Kindheit zurück versetzt und liefert sich - zu dessen Erstaunen - mit Jack eine wilde Schneeballschlacht. Danach bauen sie gemeinsam einen Schneemann, der nach und nach das Aussehen eines kleinen Schneemädchens erhält. Als Jack in der Nacht aufwacht und nach draußen geht, ist von dem Schneemädchen außer einem kleinen Haufen Schnee nichts mehr übrig geblieben. Verwirrt bemerkt Jack die kleinen Schuhabdrücke, die in den Wald führen und sieht kurz eine Erscheinung - die wie ein kleines Mädchen aussieht - darin verschwinden.

»Das Schneemädchen« ist eine bezaubernd, gefühlvolle Geschichte für Jung und Alt, die in Alaska zu Zeiten der goldenen Zwanziger spielt.
Zu Beginn des Buches merkt man die melancholische Stimmung, die die Erzählung beherrscht und einem regelrecht aus dem Buch entgegenschwappt. Mabel (wie ihr Mann Ende vierzig) ist einsam. Ihr Mann ist den ganzen Tag auf dem Feld um ihr Überleben im Winter zu sichern und möchte sich von ihr nicht dabei helfen lassen. Er traut ihr die harte Arbeit nicht zu und hält sie wie ihre eigenen Verwandten - vor denen sie regelrecht geflohen ist - für zu schwach. Also lastet die ganze Verantwortung auf seinen Schultern und er setzt sich noch zusätzlich stark unter Druck. Daher nimmt er zögerlich die Hilfe von George Benson und seinen drei Söhnen an, die ihn bei der Arbeit unterstützen möchten. Und so ändert sich alles für Mabel. In einem Anflug von Überdrehtheit bauen sie und Jack ein Mädchen aus Schnee, was sich in der Nacht scheinbar in ein echtes Mädchen verwandelt. Scheu wie ein Reh lebt es von nun an im Wald besucht das Paar allerdings immer öfter und bringt ihnen Geschenke. Mabel erinnert sich an die Geschichten, die ihr Vater ihr als Kind von dem »Schneemädchen« erzählt hat und weiß um die Gefahren, die dem Kind aus Schnee drohen.
Die Geschichte ist in drei Teile gesplittet und erzählt die Geschehnisse von über sechs Jahren (plus einen Epilog). Das gefiel mir besonders gut an dem Buch. Man erlebte mit, wie die Charaktere sich in der Zeit weiterentwickelten, wie die Kinder zu Erwachsenen wurden und eigene Kinder bekamen. Dadurch war es mir möglich, zu diesen fiktiven Personen eine Art Bindung aufzunehmen und ich hatte das Gefühl sie persönlich zu kennen. Besonders an Herz ist mir Mabel gewachsen, die mich stark an eine ältere Ausgabe von mir selbst erinnert. Ich freute mich besonders darüber, dass sie im Laufe der Geschichte den anderen beweisen konnte, was alles in ihr steckt und dass sie alles Andere nur nicht schwach ist. Auch Jack und Garrett sind liebenswürdige Persönlichkeiten, wie ich sie auch im realen Leben gerne kennen würde.
Bei dem »Schneemädchen« Faina war ich zwiegespalten. Ich kann es noch nicht mal richtig erklären. Es ist, wie Nebel den man zwar sieht und auch ein bisschen fühlt aber nicht zu fassen kriegt. In der Hinsicht wie Faina selber. Die ganze Zeit war ich mir sich nicht sicher, ob es das Mädchen wirklich gibt oder ob sie nur eine »gemeinsame« Halluzination von Mabel und Jack war. Unterstützt wurde die Vermutung dadurch, dass alle Gespräche mit dem Mädchen oder in der bloßen Gegenwart von Faina nicht zwischen Anführungszeichen gesteckt wurden. Das mutete an, dass die Dialoge nur im Kopf stattfanden.
Welche Entwicklung die Geschichte nehmen würde, war vorhersehbar. Ich behaupte allerdings, dass jedes andere Ende der Erzählung nicht würdig gewesen wäre. 
Das Buch hätte von mir fünf Schmetterlinge erhalten, wenn es da nicht ein paar Kritikpunkte gewesen wären. Zu einem das mit den Anführungszeichen. Ich weiß, dass das Fehlen der selbigen für die Stimmung der Erzählung nötig ist. Allerdings erschwerten sie mir das Lesen, weil ich immer darauf achten musste, was jetzt »Gesprochen« war und was nicht. Meine zweite Beanstandung verdient das Tempo der Geschichte. Gerade der dritte Teil war teilweise eine reine Hetzerei. Auf den letzten Seiten reihte ein Ereignis direkt an das Nächste und erweckte den Eindruck, dass bestimmte Passagen stichwortartig erzählt wurden.

Ich bedanke mich dafür, dass mir der Kindler Verlag dieses Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat und ich an der dazu gehörenden, netten Leserunde teilnehmen durfte.




Genre: Erzählung, Märchen
OT: The Snow Child
Gebundene Ausgabe, 464 Seiten
Kindler Verlag, Erste Auflage September 2012

ISBN 978-3463406213Preis € 19,95

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